Titel Herz-Club-Magazin

Aktuelle Aspekte der Herzchirurgie – 
Fortbildungsveranstaltung für Ärzte in der Kirchberg-Klinik

PD Dr. Harringer und Dr. KnoglingerProf. Dr. Schöndube und Chefarzt Dr. KnoglingerChefarzt Dr. Ernst Knoglinger hatte als Referenten für eine Ärztefortbildung gleich zwei Chefarzt-Kollegen in die Kirchberg-Klinik eingeladen, die auch gekommen waren: Privatdozent Dr. Wolfgang Harringer aus Braunschweig und Professor Dr. Friedrich Schöndube aus Göttingen. Es ging um die aktuellen und zukünftigen chirurgischen Möglichkeiten bei Herzoperationen und um Herztransplantationen.

Jedes Jahr werden in Deutschland rund 100.000 Menschen am Herzen operiert. Dabei ist die Zahl seit fünf Jahren etwa stabil, nachdem sie zuvor stetig gestiegen war. Gleichzeitig ist das Sterberisiko während der Operation leicht gesunken (unter 3 Prozent), obwohl die Patienten, die operiert werden, älter sind, erläuterte Harringer, der seit Oktober vergangenen Jahres Chefarzt der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie am Städtischen Klinikum Braunschweig ist.
PD Dr. Harringer
Ein möglicher Weg, Komplikationen bei der Operation zu vermindern sei es, in geeigneten Fällen auf den Einsatz der Herz-Lungen-Maschine zu verzichten. Die Herz-Lungen-Maschine übernimmt während der Operation die Funktion der beiden Organe. Wenn man auf sie verzichten will, muss am schlagenden Herzen operiert werden, was technisch anspruchsvoller sei. In Deutschland sei diese Methode noch immer die große Ausnahme, auch weil die Krankenkassen diese Operationen aus formalen Gründen nicht bezahlen, obwohl sie kostengünstiger sind. 

Sehr selten sei die Methode der Operation mit einem Roboter, erläuterte der Braunschweiger Chefarzt weiter. Denn weil der Roboter schwer zu steuern sei, verlange diese Methode eine sehr hohe Konzentration vom Chirurgen und dauere in der Regel doppelt so lange. Der Vorteil ist, dass nicht der ganze Brustkorb geöffnet wird, sondern durch eine kleine Öffnung zwischen den Rippen operiert wird.

Prof. Dr. SchöndubeProfessor Schöndube, seit 2001 Direktor der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie der Universität Göttingen, referierte über die Herztransplantation. Sie komme nur für solche Patienten in Frage, die im Endstadium einer Herzerkrankung angekommen und nicht mehr belastbar sind. Das komme vorwiegend bei Herzkranken vor, bei denen der Herzmuskel soweit zerstört ist, dass ein anderer chirurgischer Eingriff nicht mehr möglich oder sinnvoll erscheint. Die Zahl der jährlichen Herztransplantationen gab er mit rund 400 an. Ziel sei es, dem Patienten mit lebensbedrohlicher Krankheit ein Leben ohne Einschränkungen zu ermöglichen. Heute überleben mehr als zwei Drittel der Patienten die nächsten fünf Jahre nach der Operation.

Das Risiko, dass ein Körper das fremde Organ abstößt, sei heute erheblich geringer geworden, sagte der Göttinger Mediziner. Die Transplantation habe sich in der Medizin inzwischen etabliert. Doch immer noch gebe es zu wenig Organe, so dass man nur diejenigen für eine Transplantation auswählen könne, die medizinisch gesehen „am meisten davon profitieren“. Vor allem aber, weil andere Behandlungsmethoden bei Herzerkrankungen, von den Medikamenten bis zum Einsatz der Kathetertechnik, in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht haben, sei die Warteliste der Transplantationspatienten kleiner geworden. Im Durchschnitt rechne man mit einer Wartezeit von acht bis neun Monaten.

Während der Diskussion nach den Vorträgen


(siehe auch: Keine Komplikationen bei Patienten mit weltweit neuem Herzklappensystem (2006/07)

zurück zur Themenübersicht

zurück zum Stichwortverzeichnis