Titel alt


Essen oder ernähren?

Von Karl Heinz Bleß

Warum essen wir „im Überfluss des Schlaraffenlandes“ anders als wir uns ernähren sollten? Diese Frage beschäftigt den Göttinger Ernährungspsychologen Professor Dr. Volker Pudel seit einiger Zeit. Es seien in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten so viele Artikel und  Broschüren zur richtigen Ernährung gedruckt worden und alles helfe nichts. Prozentual gesehen stehe Deutschland auf Platz 2 bei den meisten Übergewichtigen noch vor den USA und hinter Samoa (polynesiche Inselgruppe im Pazifischen Ozean östlich der Fidschiinseln). Eine Ursache für die Erfolglosigkeit sieht der Wissenschaftler in den Begriffen. Essen und Ernähren bezeichneten verschiedene Dinge.

Warum essen Menschen, was sie essen? fragte Pudel in die Runde von Medizinern, die brav antworteten: Weil es schmeckt, weil sie Hunger haben, aus Langeweile oder in Gesellschaft. Doch niemand sagte: wegen der Gesundheit. „Ernährung“ und „Flüssigkeitsaufnahme“ geißelte der Referent als Teile einer Fachsprache. „Eigentlich müsste es nicht Ernährungsberatung heißen, sondern Beratung für Essen und Trinken.“

Falsch sei auch der Ansatz, man könne sein Essverhalten „mit dem Kopf steuern“. „Wir mögen etwas, weil wir es essen“, sagte er. Die Gewohnheit, die soziale Situation, etwas zu mögen, seien ausschlaggebend. Deshalb müsse man hier ansetzen, wenn es um falsches Essverhalten gehe: die Erfahrung vermitteln, dass man satt werden kann, obwohl es schmeckt.
 


zurück zur Themenübersicht

zurück zum Stichwortverzeichnis