Autonome Funktionsdiagnostik –
Einblicke in die unbewusste Herz-Kreislaufregulation

Das autonome (= unbewusste) Nervensystem reguliert viele unserer Körperfunktionen gleichsam „automatisch“. Dazu gehört die Regulation von Pulsfrequenz, Blutdruck, Schlaf-Wach-Rhythmus und eine Vielzahl anderer Körperfunktionen, die unbewusst ablaufen. Das autonome Nervensystem gliedert sich in zwei Teilbereiche:
  • Der eine Teil ist der Sympathikus, der die Körperfunktionen aktiviert und in gewisser Weise die Leistungsreserven des Organismus mobilisieren soll. Der Sympathikus vermittelt auch die Stressreaktion, die man als Alarmbereitschaft des Körpers als Anwort auf äußere Reize ansehen kann, er steigert Puls und Blutdruck, Gerinnungsfähigkeit des Blutes, Neigung zu Rhythmusstörungen und Blutzucker.
  • Der zweite Teil des unbewussten Nervensystems ist der ParaSympathikus, sozusagen der Gegenspieler des Sympathikus. Er ist beteiligt bei Ruhe, Entspannung und Schlaf.
Für Herzkranke ist es von Vorteil, wenn die Aktivität des ParaSympathikus gesteigert und die des Sympathikus vermindert wird, denn wir wissen heute, dass eine hohe Sympathikus-Aktivität bei Herzkranken mit einer verkürzten Lebenserwartung einhergeht.

Natürliche AlarmreaktionBisher war es sehr aufwändig, den Funktionszustand des autonomen Nervensystems zu diagnostizieren. Durch neue, verfeinerte Methoden der Herz-Kreislaufanalyse gelingt das jetzt deutlich besser. Dabei macht man sich die feinen Schwankungen zu Nutze, die vom autonomen Nervensystem auf die Puls- und Blutdruckregulation übertragen werden. Zur Diagnostik ist es nötig, außer der Herzfrequenz bzw. Pulsfrequenz auch den Blutdruck bei jedem einzelnen Herzschlag neu zu messen und feine Schwankungen aufzuzeichnen. Während früher dazu eine Messung direkt in der Schlagader mittels Katheter notwendig war, gelingt eine derart exakte Messung seit kurzem auch von außen, ohne dass der Patient „gestochen“ werden muss.

Multifunktions-MessgerätIn der Kirchberg-Klinik haben wir seit dem vergangenen Jahr die modernste Messapparatur dieser Art, den Task-Force-Monitor®, zur Verfügung. Dieses Gerät wurde mit dem Staatspreis für Innovation 2002 des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit ausgezeichnet. Es erlaubt durch präzise Messungen und komplexe Computer-Berechnungen die Herz-Kreislaufregulation durch das autonome Nervensystem zu diagnostizieren. Die Untersuchung ist vollkommen schmerzfrei und ohne Beeinträchtigung der Patienten möglich; sie läuft ähnlich wie ein EKG oder eine Blutdruckmessung ab.

Messwerte, die bei der
Untersuchung ermittelt werden:
  • Pumpfunktion des Herzens (Liter pro Minute)
  • Gesamtwiderstand der Arterien
  • Feinregulation der Herzfrequenz (Herzfrequenzvariabilität)
  • Feinregulation des Blutdrucks (Blutdruckvariabilität)
  • Baroreflexsensitivität (Regelkreis Blutdruck-Herzfrequenz  über die körpereigenen Baroreflektoren)
  • Beeinflussung der Herzfrequenzvariabilität durch den Sympathikus (aktivierender Teil des autonomen Nervensystems)
  • ParaSympathikus (Gegenspieler des Sympathikus)
  • Sympatovagale Balance (Verhältnis Sympathikus / ParaSympathikus).
Die Alarmreaktion des Körpers –
das bewirkt der Sympathikus:

  • Pulsbeschleunigung
  • Blutdrucksteigerung
  • Vorübergehende Steigerung der Herzleistung
  • Erweiterung der Bronchien
  • Erweiterung der Gefäße in der Muskulatur
  • Steigerung von Blutzucker und Blutfetten

Welche Störungen können mit dem Task-Force-Monitor® diagnostiziert werden?

Die Herz-Kreislaufanalyse mit dem Task-Force-Monitor® erlaubt Rückschlüsse auf eine zu hohe Aktivität des Sympathikus, die sich bei Herzkranken negativ auswirkt. Die Ursache für Schwindel- oder Ohnmachtsanfälle ist leichter zu finden. Sie ist hilfreich bei der Einstellung von Bluthochdruck. Das Risiko für schwere Herzrhythmusstörungen und den „Sekundenherztod“ kann abgeschätzt werden.

Wie behandelt man Störungen des unbewussten Nervensystems?

Zum einen spielen Medikamente eine Rolle. Vor allem um den Körper vor einer zu starken Sympathikus-Aktivität abzuschirmen, werden so genannte Betarezeptorenhemmer eingesetzt. Aber auch allgemeine nicht-medikamentöse Maßnahmen, zum Beispiel Temperaturreize, wie sie bei der Kneipp´schen Wassertherapie eingesetzt werden, oder Entspannungsverfahren wirken sich auf das autonome Nervensystem aus. Neuere Untersuchungen bestätigen vor allem, dass körperliche Bewegung, Training und „Fitness“ das unbewusste Nervensystem ausgesprochen positiv beeinflussen.

So überwiegt bei gut trainierten Sportlern auch tagsüber der Parasympathikus; die Herz-Kreislauffunktionen werden dadurch geschont. Das können sich auch herzkranke Patienten zu Nutze machen. Hier beobachtet man schon nach kurzer Zeit mit regelmäßigem Training, wie wir es beispielsweise in der Rehabilitation durchführen, deutliche Verbesserungen der Messwerte. Nach allem, was wir heute wissen, wirken sich diese Verbesserungen auch lebensverlängernd für den Patienten aus. Die Herz-Kreislaufanalyse mit dem Task-Force Monitor®  ist daher eine sinnvolle Ergänzung unserer konventionellen Diagnostik, die wir gezielt in geeigneten Fällen anwenden.


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