Herzinfarkt: Ein Wettlauf mit der Zeit

Von Karl Heinz Bleß

Beim Herzinfarkt beginnt der Wettlauf mit der Zeit. Jede Minute zählt. Diese Nachricht zog sich am Informationsabend am 7. November 2001 wie ein roter Faden durch die vier Kurzvorträge der Kirchberg-Klink im Rahmen der diesjährigen Herzwoche. Die Deutsche Herzstiftung initiiert in jedem Herbst eine solche Herzwoche, um über Herzkrankheiten zu informieren und damit die Todesrate zu senken.

Drei Stunden vergehen im Durchschnitt, bis ein Patient mit einem Herzinfarkt im Krankenhaus ist, erklärte Dr. Karsten Gericke in seinem Kurzvortrag. Wertvolle Zeit sei dann bei höchstem Gesundheitsrisiko vergangen. Denn es drohe immer ein Pumpversagen des Herzens. Ein Herzmuskelschaden könne durch frühzeitige Therapie begrenzt werden und Spätfolgen vermindert werden.

Dann bestehe ein dringender medizinischer Notfall, der auch so eingeschätzt werden müsse. Dann zähle jede Minute. Bei solchen Anzeichen sollte man sofort den Notarzt verständigen.

Bei einem Anruf unter der Nummer 112 sollte man auf jeden Fall auf Rückfragen der Rettungszentrale warten, wenn man den Notarzt rufe, mahnte Dr. Barbara Bialucha-Nebel dringend. Denn die Adresse müsse vollständig verstanden sein, auch was genau passiert sei. Und dann sollte man es den Rettungskräften ermöglichen, möglichst schnell die Wohnung des Betroffenen zu finden (Licht an, Einfahrt freihalten). Vor allem müsse man die Ruhe bewahren, um den Patienten nicht noch weiter zu beunruhigen, der oft schon große Angst habe.

Sollte der Betroffene nicht mehr atmen und kein Puls mehr spürbar sein, sei die einzige lebensrettende Maßnahme die sofortige Herz-Lungen-Wiederbelebung.

Wie das genau funktioniert, zeigten Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes im Foyer des Vortragssaales. Dabei wurden Interessierte auch dazu angeleitet, die einfachen Maßnahmen, die jeder erlernen kann, selbst an mehreren Phantomen zu üben.

Über die Ursachen und medikamentöse Therapie eines Herzinfarktes informierte Dr. Gabriele Möller. An einer Gefäßverengung, etwa durch eine Verkalkung, kann sich die Blutbahn plötzlich durch ein Gerinsel verschließen, sodass kein Blut mehr durch das Gefäß am Herzen fließen kann. Die Folge ist, dass der Muskelbereich hinter dem Verschluss nicht mehr genügend Sauerstoff erhält und abstirbt. Deshalb sei es so wichtig, die Verschlussstelle so schnell wie möglich wieder zu öffnen, um den Schaden zu begrenzen. Denn je größer der Teil des Herzmuskels sei, der absterbe, desto größer sei der Schaden. Mit Medikamenten löse man das Gerinsel auf, um das Gefäß wieder frei zu bekommen. Die Oberärztin ging außerdem auf Komplikationen ein, die mit einem Herzinfarkt auftreten können und zeigte auf, wie man dem auf einer Intensivstation begegnen kann.

Chefarzt Dr. Ernst Knoglinger zeigt anhand von bewegten Bildern mit schematischen Darstellungen und Originalaufnahmen, wie ein Herzkatheter funktioniert und wie man Verengungen der Gefäße am Herzen aufweiten kann. Auch das Einführen einer Stütze (Stent), die wie ein Gerüst das Gefäß offen hält, wurde dabei veranschaulicht.

Bei der Nachbehandlung, führte er weiter aus, sei es wichtig, dass man das Risiko für ein Fortschreiten der Grunderkrankung erkennt und behandelt. Ziel sei es, den Patienten auf die Rückkehr ins Alltags- und Berufsleben vorzubereiten.

Die Risikofaktoren müsse man kennen und behandeln. Dazu gehören:

Wer das Rauchen aufgebe, könne das Risiko, erneut einen Herzinfarkt zu erleiden, um 50 Prozent senken, mit Medikamenten wie Aspirin als Gerinnungshemmer, Cholesterinsenkenr, Beta-Blockern könne man das Risiko weiter senken.

Am Schuss riet er: „Bleiben Sie mit Ihrer Krankheit nicht allein. Schließen Sie sich einer ambulanten Herzgruppe an und lassen Sie sich regelmäßig von der Deutschen Herzstiftung über Ihre Krankheit und Therapie informieren.“
 

siehe auch: Erste Hilfe kann jeder leisten
 
 

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