Mögliche Nebenwirkungen des Marcumar
500.000 Deutsche nehmen regelmäßig Gerinnungshemmer fürs Blut

Menschen, die wegen einer Herzerkrankung lebenslang Medikamente einnehmen müssen, die die Blutgerinnung hemmen, müssen nicht unbedingt mit Nebenwirkungen rechnen. Trotzdem können sie in Einzelfällen auftreten, erläuterte vor rund 330 Betroffenen Dr. Barbara Bialucha-Nebel in einem Vortrag während des 7. Patiententreffens der Kirchberg-Klinik für Marcumar-Anwender.

Dr. B. Bialucha-Nebel im kleinen Vortragssaal

Mehr als 500.000 Menschen in Deutschland nehmen regelmäßig Blutgerinnungsmittel wie Marcumar ein, um etwa an einer künstlichen Herzklappe ungewollte Gerinnselbildungen zu verhindern. Besonders zu Beginn der Behandlung, so die Oberärztin, kommen Nebenwirkungen vor. Naturgemäß sindBlutungen die häufigste Nebenwirkung, denn die Fähigkeit des Blutes zu gerinnen, wird durch das Medikament gezielt gehemmt. Andere Nebenwirkungen sind sehr viel seltener und deshalb bei den Betroffenen kaum bekannt.

So kann es zu Hautrötungen kommen, die schon bald von selbst wieder abklingen, selten aber auch zu einem so genannten Hautinfarkt, der behandelt werden muss und in der Regel Narben hinterlässt. In der Langzeittherapie sind Probleme wie Haarausfall, brüchige Fingernägel, Riechstörungen, Osteoporose (Knochenentkalkung) und Leberschäden bekannt geworden.

Der durch Marcumar ausgelöste Haarausfall sei selten und trete drei bis 20 Wochen nach Therapiebeginn auf. Dabei seien Frauen häufiger als Männer betroffen. Manchmal verschwinde das Problem unter Fortsetzung der Therapie, ansonsten könne der Wirkstoff geändert werden (anderes Medikament), dann sei die Nebenwirkung oft zu beheben.

Selten sind auch Riechstörungen, die durch Marcumar ausgelöst werden. Die Oberärztin wies darauf hin, dass auch in der Normalbevölkerung drei bis sieben Prozent aller Gesunden Riechstörungen haben. Mit zunehmenden Alter wachse die Zahl der Betroffenen. Bei 80jährigen können nur etwa ein Drittel aller Deutschen noch uneingeschränkt riechen. Zuerst könnten die Betroffenen das Gewürz Oregano (Pizzagewürz) nicht mehr wahrnehmen. Und man hat festgestellt, dass Menschen, die für das Parkinson-Syndrom anfällig sind, häufiger betroffen sind. Zu behandeln sei die Riechstörung bisher nicht.

Die Osteoporose, eine Erkrankung der Knochen, bei der die Knochen durch Entkalkung an Festigkeit und Elastizität verlieren, verläuft sehr speziell, wenn sie durch Marcumar ausgelöst wird. Wie die Ärztin dazu ausführte, ist der Unterarm am ehesten betroffen. Bei Röntgenuntersuchungen ist ein untypisches Entkalkungsmuster zu erkennen. Die Kochenheilung nach einem Bruch ist bei Betroffenen deutlich verlangsamt. Das Risiko, einen Bruch zu erleiden, ist jedoch nicht erhöht.

Auch Leberschäden sind möglich. Vorübergehend könne eine Leberstörung vier bis sechs Monate nach Therapiebeginn auftreten, die man mit einem Präparatwechsel umgehen könne. Jeder Einfluss auf die Leber, etwa Alkoholmißbrauch oder zusätzliche Medikamenteneinnahme, verändere die Reaktion der Leber und müsse von Marcumar-Patienten berücksichtigt werden.

Eine Dosisveränderung für die Marcumar-Einnahme kann immer wieder nötig werden, etwa bei auftretender Herzschwäche, bei Gallensteinen, Fieber, Nierenschwäche oder eine Röntgentherapie bei Tumorpatienten. Auch eine Veränderung der Schilddrüsenfunktion könne die nötige Dosierung verändern. Deshalb sei die regelmäßige Kontrolle des Gerinnungswertes unter der Marcumartherapie erforderlich. Schließlich können Übergewicht, entwässernde Therapien, Operationen oder Schock den Marcumarbedarf erhöhen.

Bekannt ist den meisten Anwendern, dass ihre Haut durch Marcumar empfindlicher gegen Licht ist und dass sie sich mehr als andere vor Sonnenbrand schützen müssen.
 

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