Sport treiben trotz des kranken Herzens?

Von Dr. Barbara Bialucha

Ist Sport für am Herzen erkrankte Menschen sinnvoll oder sollen sie sich lieber schonen? Und wenn Bewegung, welche Sportarten sind zu empfehlen? Fragen, die sich jeder Herzerkrankte stellen wird, wenn er wieder fit werden will.

Radfahren auf ebenem Gelände ist kein ProblemDie Bewegungstherapie herzerkrankter Patienten entwickelte sich seit den 70er Jahren. Vorausgegangen waren Studien in den späten 50er und 60er Jahren, die belegten, dass Menschen mit Bewegungsmangel viel häufiger eine Herzerkrankung entwickelten und zudem ein größeres Risiko hatten, an einer aufgetretenen Herzerkrankung zu sterben als vorher trainierte Patienten. In den weiteren Untersuchungen stellte sich heraus, dass körperlich angepasstes Training einige der wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung von Patienten senkt: die Blutzuckerspiegel, das LDL-Cholesterin sinkt, das besonders verantwortlich ist für Gefäßveränderungen, und das schützende HDL steigt. Denn bei regelmäßigem Ausdauertraining sinkt allmählich die Herzfrequenz. Deshalb hat das Herz für die Eigendurchblutung sehr viel mehr Zeit und kann ökonomischer arbeiten.

Ein weiterer wichtiger Effekt betrifft die Muskulatur: Unter chronischer Beanspruchung werden Muskelzellen leistungsfähiger und verbrauchen weniger Sauerstoff und Energie. Dies alles kommt dem gesamten Leistungsvermögen und dem Wohlbefinden sehr entgegen.

Wasserwandern im KanuDie ersten Untersuchungen über die Frühmobilisation herzkranker Patienten zeigten, dass die Herzpatienten durch diese Bewegung nicht gefährdet wurden. Im Gegenteil: man konnte medizinische Komplikationen vermindern und den Patienten trotz Herzerkrankung ihr Selbstbewusstein wiedergeben. Außerdem konnte eine viel höhere Rate von Patienten in das Berufsleben zurückkehren.

Wichtige ist dabei, dass das individuelle Bewegungsprogramm an das Leistungsvermögen des Patienten angepasst wird sowie die Auswahl geeigneter Sportarten. Grundsätzlich sind alle Patienten nach Herzinfarkt, Herzentzündung, Herzkranzgefäßaufweitung oder -operation, Herzklappenoperation, Schrittmacher-Patienten und auch Herztransplantierte für eine Herzsportgruppe geeignet, wenn die akute Krankheitsphase überwunden ist. Außerdem sollten Blutdruck und etwaige Herzrhythmusstörungen medikamentös gut behandelt sein.

Generell werden für Herzkranke „dynamische Belastungsformen“ empfohlen, solche Belastungsformen, bei denen sich Muskelgruppen zusammenziehen und entspannen, ohne dass die Muskelspannung stark zunimmt. Günstig ist zum Beispiel das Laufen. Ungünstig hingegen sind Belastungsformen, bei denen durch die Muskulatur reine Haltearbeit geleistet werden muss, ohne dass der Muskel sich regelmäßig an- und entspannt, die sogenannte isometrische Belastung. Dazu zählen beispielsweise das Gewichtheben und andere Formen des Bodybuildings. Ungünstig sind Wettbewerbs- oder Spielsituationen, in denen der Herzsportler beginnende Überlastungsreaktionen nicht oder nur sehr stark verzögert wahrnimmt.

Bewegung beim GolfWelche Sportarten sind nun besonders geeignet? Gehen, Laufen, Wandern, Bergwandern stellen das ideale Kreislauftraining dar. Auch Radfahren ist günstig, sofern nicht extreme Steigungen bewältigt werden müssen. Schwimmen und Ski-Langlauf sind bei guter Technik ebenfalls sehr empfohlene Sportarten. Grundlage für die Ausübung all dieser Bewegungstherapien ist die Gymnastik, die zum Aufwärmen und zur Verbesserung der Ausdauer eine gute Basis bildet. Von den Spielen eignen sich Prellball, Faustball und bei geeigneter Technik auch Volleyball sehr gut für Herzerkrankte.

Weniger geeignet sind leistungsmäßig betriebenes Rudern, alpiner Skilauf, Tennis, Squash, Badminton, all diese Sportarten können jedoch mit abgewandelten Regeln bei guter Technik und in Maßen von sportgewohnten Patienten weiter betrieben werden. Reines Bodybuilding und Gewichtheben sind in jedem Fall ungünstig.

Besonders sinnvoll wäre ein tägliches oder zumindest dreimal wöchentliches Training von wenigstens 20 Minuten. In der ersten Phase nach der akuten Erkrankung ist in jedem Fall das Training innerhalb einer ärztlich überwachten Herzgruppe die beste Lösung, später sind eigene Trainingsprogramme, die sich idealerweise an einer vom Arzt ermittelten Trainingsherzfrequenz orientieren, möglich.
 

siehe auch: Tennis für gutbelastbare Herzkranke?

siehe auch: Hohe Auszeichnung für Herz-Handy und EKG-T-Shirt

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