Herzkranke im Urlaub? – Kein Problem

Von Dr. Barbara Bialucha

Ein Traumurlaub: leerer Strand unter Palmen    Foto: BleßSommer – Sonnenschein – Urlaub! Diese Gedanken sind mit den Sommermonaten verknüpft und verheißen Entspannung, schöne Tage, interessante Städte, zauberhafte Landschaften –  vielleicht auch das Kennenlernen interessanter Menschen und Kulturen.
Natürlich freuen sich auch Herzerkrankte auf solche neuen Eindrücke. Was müssen Betroffene für ihren Urlaub besonders beachten?

Die Planung

Die akute Phase ihrer Erkrankung sollten urlaubplanende Herzerkrankte hinter sich haben, das heißt der Einsatz eines neuen Schrittmachers oder eine Herzkranzgefäß-Dilatation (Erweiterung) sollten schon drei Wochen her sein. Nach einem Herzinfarkt oder einer Herzoperation sollten am besten schon drei Monate vergangen sein, ehe Operierte die Reise antreten. Wenn sich ihre Belastbarkeit oder Herzbeschwerden verschlechtert haben, muss zunächst der Gesundheitszustand stabilisiert werden.

Welches Reiseziel?

Kurz nach einer akuten Herzerkrankung sollten Betroffene extreme Veränderungen des Klimas (tropisch- feuchte Hitze, extreme Kälte, Höhen über 2 500 Meter) meiden. Häufig erleiden Urlauber in tropischen Ländern Magen-Darminfektionen, die das Herz-Kreislaufsystem zusätzlich belasten und auch die Wirkung der benötigten Medikamente unvorhersehbar verändern können.
Patienten, die noch sehr unsicher sind mit ihrer Herzerkrankung, sollten ein Urlaubsland wählen, in dem sie sich mit den Ärzten sprachlich problemlos verständigen können. Ein aktueller Bericht über die Herzkrankheit im Gepäck ist auf jeden Fall hilfreich und ist auch im Ausland nützlich, weil die meisten medizinischen Begriffe international verständlich sind.

Die Reiseapotheke

In die Reiseapotheke gehören alle dauerhaft genommenen Medikamente in ausreichender Menge – einschließlich einer kleinen Reserve für wenige Tage. Bei Flugreisen soll dieser Teil der Reiseapotheke immer ins Handgepäck!

Zusätzlich werden Mittel gegen leichte Schmerzen, gegen Übelkeit und Erbrechen, gegen Verstopfung oft hilfreich sein sowie Salben gegen Allergien oder Sonnenbrand und Insektenstich-Reaktionen. Bei Menschen mit künstlichen Herzklappen oder Herzklappenfehlern kann es bei sehr entlegenen Urlaubszielen auch sinnvoll sein, Medikamente zur Endokarditis-Prophylaxe (Vorbeugen der Herzklappenentzündung) mitzunehmen. Diabetiker müssen immer Traubenzucker bei sich haben.

Marcumar-Patienten (bei Reisen von mehr als zwei Wochen) und Diabetiker (bei jeder Reise) sollten ihre Messgeräte mitnehmen, außerdem einen Vorrat von Teststreifen.

Die Impfungen

Über etwa notwendige Impfungen im Urlaubsland hat der Hausarzt sicher aktuelle Hinweise parat. Zu finden sind die aktuellen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut auch im Internet unter http://www.rki.de.
Impfungen sind zumeist bei Menschen mit Marcumar-Therapie kein Problem, wenn sie auch „subcutan“, das heißt unter die Haut statt in den Muskel gespritzt werden können.

Welches Reisemittel?

Reisen im Auto ist für Patienten im Anschluß an eine akute Herzerkrankung entsprechend einer Empfehlung der ärztlichen Fachgesellschaft nach einem Monat, nach der derzeitigen Rechtsprechung sogar erst nach drei Monaten Bewährungszeit ohne erneutes Ereignis erlaubt. Danach ist das Autofahren aber von vielen Betroffenen bei vernünftiger Fahrweise mit ausreichenden Pausen  und Fahrerwechsel bei langen Strecken  (mehr als 400 Kilometer) problemlos möglich.

Wer mit der Bahn reist und große und schwere Gepäckstücke vorher aufgegeben hat, fährt sicher und stressfrei.

Flugreisen sollten besonders gut vorbereitet werden. Neben der etwas ungünstigen Sitzhaltung und der trockenen Kabinenluft kann der verminderte Sauerstoffdruck in der Flugkabine ein Problem für Menschen mit chronischen Beschwerden der Atemwege sein, ebenso bei Beschwerden der Sauerstoffunterversorgung des Herzens. Der Sauerstoffdruck entspricht bei innereuropäischen Flügen in etwa einem Aufenthalt in 1 800 Metern Höhe, bei transatlantischen Flügen werden „Kabinendruckhöhen“ von maximal 2 400 Metern erreicht, dies aber oft nach mehr als sechs Stunden Flugzeit.

Patienten mit Herzschwäche oder Angina pectoris, die schon bei geringen Belastungen Beschwerden haben oder mehrfach plötzliche Verschlechterungen ihres Zustandes erlebt haben, sollten Flugreisen möglichst vermeiden. Allerdings sind nach Rücksprachen mit dem Kardiologen und dem medizinischen Dienst der Fluggesellschaft (Auskunft im Reisebüro) Ausnahmen möglich. Dabei wird besonderer Wert auf Unterstützung beim Einchecken, beim Transport in das Flugzeug mit dem Rollstuhl und die großzügige zusätzliche Sauerstoffgabe gelegt.

Aktivitäten im Urlaub

Sonnen am Pool: das ist für viele gleichbedeutend mit Urlaub    Foto: BleßBewegung in frischer Luft, zu Fuß oder mit dem Fahrrad, gehören zu den idealen Betätigungen Herzerkrankter. Wer seinen Trainingspuls nicht  überschreitet, ist immer auf der sicheren Seite. Patienten, die eine Dauerbelastung von 75 Watt problemlos leisten können und keine nennenswerten Rhythmusstörungen haben, dürfen auch Wanderrudern, Schwimmen und Tanzen.

Vorsicht jedoch bei Sonnenbädern: operierte Patienten müssen ihre frischen Narben besonders vor Sonne schützen, da diese leicht einen Sonnenbrand erleiden.

Zudem gibt es eine Reihe von Herzmedikamenten, die die Hautempfindlichkeit gegenüber Sonnenstrahlen zum Teil erheblich steigern, beispielsweise ACE-Hemmer oder Cordarex (siehe Beipackzettel).

Immer noch Bedenken?

Wer jetzt immer noch Bedenken hat, für den ist ein Urlaubsaufenthalt in einem Sanatorium für Herzkranke, das auch Urlauber aufnimmt, eine gute Alternative. Selbstverständlich sind Herzkranke auch zu einem privaten Aufenthalt sowohl in der Kirchberg-Klinik als auch im Sanatorium Gollée herzlich willkommen. Adressen weiterer Sanatorien sind bei der Deutschen Herzstiftung zu erfragen.

Die Deutsche Herzstiftung organisiert zudem regelmäßig Reisen mit fachärztlicher Betreuung und mit abgestimmtem Ernährungsprogramm, Angeboten an Bewegungsübungen und ärztlich begleiteten Ausflügen.

(Nähere Infos: Deutsche Herzstiftung e.V., Vogtstraße 50, 60322 Frankfurt/M., Telefon 0 69 / 9 55 12 80, E-Mail: info@herzstiftung.de)
 

siehe auch: In welchen Ländern bekommt man Marcumar?
siehe auch: Herznotfall im Ausland – ein kleiner Sprachführer
siehe auch: Sport für Herzkranke
siehe auch: Tennis für Guttrainierte

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