Eine vernünftige Ernährung erspart  Nahrungs-Ergänzungsmittel

Von Karl Heinz Bleß

Eine vernünftige Ernährung mit viel frischem Gemüse und Obst macht Nahrungs-Ergän­zungs­mit­tel wie Vitaminpräparate und Mineralstoffe überflüssig. Das ist das Fazit der Vorträge beim 10. Patiententreffen für Marcumar-Anwender an der Kirchberg-Klinik. Mehr als 350 ehemalige Patienten, die in der Regel wegen einer künstlichen Herzklappe lebenslang das gerinnungshemmende Medi­ka­ment Marcumar einnehmen müssen, waren zu dem Patienten­treffen gekommen.

Gerlinde WüstefeldDiätassistentin Gerlinde Wüs­tefeld gab zunächst einen Über­blick über die breite Pa­let­te der Nahrungs­ergänzungs­mittel und „Functional Food“, wie es sie auch im Supermarkt zu kaufen gibt. Ziel dieser Mittel, ob als Tabletten, Kap­seln, Brause­tabletten oder Pulver, ist es, durch eine zu­sätz­liche positive Wirkung das Wohlbefinden und die Abwehr­kräfte zu stär­ken. Sie sollen einen drohenden Mangel ausgleichen. Doch wer sich „vernünftig“ ernährt, also Obst und Gemüse isst und auch nicht auf Vollkornprodukte ver­zich­tet, der braucht einen solchen Mangel gar nicht zu befürch­ten, stellte sie fest. Grüner Tee oder ein Glas Orangensaft könne in vielen Fällen ein teures ACE-Getränk mehr als ersetzen. Und wer ein- bis zwei­mal in der Woche Fisch esse, etwa Hering, Ma­kre­le, Lachs oder Thun­fisch, der brauche sich um Omega-3-Fettsäuren keine Gedanken zu machen. Ein weiterer Tipp: Becel pro aktiv helfe nach­weis­lich, den Cholesterinspiegel zu senken.

Zu Vorsicht riet sie allen Mar­cu­mar-Anwendern bei Multi­vita­min­präparaten. Denn viele ent­hielten einen hohen Anteil an Vitamin K, das die Wirkung des Marcumars beeinflusst. Deshalb sollte man darauf möglichst verzichten. Bei ab­wechslungsreicher Misch­kost kann man auf alle Nahrungs­ergänzungsmittel verzichten, so ihr Fazit.

Über die Bedeutung von Mine­ralstoffen bei Herzpatienten referierte Chefarzt Dr. Ernst Knoglinger. Der menschliche Körper bestehe aus etwa 10 Billionen mikroskopisch kleiner Zellen. Und in jeder Zelle finde ein Stoffwechsel statt, wozu Energie benötigt wird. Diese gewinnt der Körper aus Kohlenhydraten, Eiweiß­bau­steinen und Fetten. Mineralstoffe dagegen erzeug­ten keine Energie, seien aber für den Körperaufbau als Bau­stoff nötig. Sie müssen dem Körper regelmäßig zugeführt werden, weil er sie nicht selbst herstellen kann. Auch die Mus­keln brauchen Mineral­stoffe, um arbeiten zu können, er­läu­terte er am Beispiel des Her­zens. Wichtig seien Kalium, Natrium, Magnesium und Calcium.

Beim Natrium bestehe keine Gefahr einer Mangel­er­schei­nung, weil im menschlichen Körper genügend vorhanden sei. Auch den Calciumbedarf regelt der gesunde Körper selbst, weil er dieses Mineral aus den Knochen lösen kann. Allerdings könne das bei extre­mem Mangel dazu führen, dass zu viel Calcium entzogen wird und der Knochen in seiner Sub­stanz gefährdet wird.

Bedeutsamer sei aber gerade bei Herzpatienten ein Kalium­mangel, der zu Herzrhythmus­störungen führen kann, zur Störung der Darmsteuerung und zur Schwächung der Mus­kulatur. Als Ursache nannte er eine Fehlernährung und eine zu hohe Ausscheidung. Letzteres komme vor bei länger an­hal­ten­dem Durchfall, Hormon­störungen, Nierenkrankheit und vor allem bei der Einnahme von Wassertabletten. Auch viel Lakritz könne den Kalium­haus­halt beeinflussen. Als kalium­reiche Nahrung empfahl der Chefarzt deshalb Obst und hier besonders Bananen, Frucht­säfte, Gemüse, Vollkorn­pro­duk­te und Kartoffeln. Zwei Bananen enthalten so viel Kalium wie fünf Kalium­kap­seln oder eine Brausetablette, stellte er einen Vergleich her.

Auch zu viel Kalium im Körper schadet. Es kann ebenfalls zu Herz­rhyth­mus­störungen und zu Muskel­zucken führen. Der wichtigste Grund für solche Er­schei­nungen sei eine zu ge­ringe Ausscheidung, bedingt etwa durch eine Nieren­schwä­che.

Durch Fehlernährung, Alko­ho­lismus, eine Darm­erkrankung oder auch durch Wasser­ta­blet­ten kann auch ein Magnesium­mangel verursacht sein, der sich durch Muskel­krämpfe, Darmkrämpfe und Herz­rhyth­musstörungen bemerkbar macht. Ein Über­schuss an Magnesium führt zu Muskel­schwäche und zu star­ker Mü­digkeit. Auch hier die Empfeh­lung: viel Obst essen, Voll­korn­produkte, Kartoffeln, Linsen und Erbsen und auch Milch trinken.

Schließlich ging der Chefarzt noch auf die Bedeutung des Eisens ein. Eisen fördert die Bildung von roten Blut­körper­chen im Blut und hat eine wich­tige Funktion für die Schleimhäute. Eisenmangel führt zu Kurzatmigkeit, Schwä­che und Blässe, zu Zungen­brennen und rissigen Mund­win­keln. Ursache ist oft ein hoher Blutverlust, wobei Marcumar-Anwender vor allem an innere Blutungen denken sollten, die am sehr dunklen Stuhl zu erkennen ist. Eisen in der Nahrung findet man in Fleisch- und Vollkorn­pro­duk­ten sowie in Hülsenfrüchten. Bei Spinat, Mangold und Brokkoli müssen Marcumar-Anwender wegen des hohen Vitamin-K-Gehalts ihre Blut­werte besonders genau beob­achten.

Im letzten Vortrag ging Ober­ärztin Dr. Barbara Bia­lu­cha-Nebel auf die Bedeutung der Vitamine ein. Auch sie kam zu dem Schluss: Wer auf eine gesunde Mischkost mit viel Obst und Gemüse achtet, hat seine natürlichen Vitamin­quellen und braucht keine künstlichen Vitaminpräparate. Das Gemüse sollte möglichst frisch sein. Da Licht einige Vitamine zerstört, sollte das Gemüse dunkel gelagert werden.


siehe auch:  Vitamine und Mineralien – und Ergänzungsmittel?


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