Titel Herz-Club-Magazin

 

Geringere Blutgerinnung – und dann zum Zahnarzt?


Von Karl Heinz Bleß

Wer eine künstliche Herzklappe hat, muss lebenslang ein Medikament einnehmen, das die Blutgerinnung herabsetzt: Marcumar. Ziel ist es, eine Gerinnung des Blutes an der künstlichen Herzklappe zu vermeiden. Allerdings bluten Marcumar-Patienten  stärker und länger als andere. Was ist zu tun, wenn sie zum Zahnarzt müssen, wenn ein Zahn gezogen werden muss oder gar eine Kieferoperation ansteht?

Rund 180 Marcumar-Patienten waren Anfang Oktober 2000 auf Einladung der Kirchberg-Klinik nach Bad Lauterberg ins Haus des Gastes gekommen, um sich fortzubilden. Denn, so Chefarzt Dr. Ernst Knoglinger, jeder Marcumar-Patient muss Experte für seine spezielle gesundheitliche Situation werden, denn nicht jeder Arzt könne die individuellen Reaktionen des Körpers auf das Medikament genau kennen. Das könne der Patient selbst am besten. Deshalb setzt sich die Kirchberg-Klinik auch dafür ein, dass Betroffene den Blutgerinnungswert mit einem entsprechenden Gerät selbst kontrollieren.

Zahnarzt Dr. Peter DittmerDer Bad Lauterberger Zahnarzt Dr. Peter Dittmer referierte über die Besonderheiten, die für Marcumar-Patienten beim Zahnarztbesuch zu beachten sind. So ist man heute anders als früher nicht mehr der Ansicht, dass für kleinere Zahnbehandlungen bis hin zum Ziehen eines Zahnes das Medikament für einige Tage abgesetzt werden sollte. Erst wenn mehr Zähne gezogen werden sollen oder komplizierte Eingriffe in den Kiefer notwendig werden, sollten Betroffene die Dosierung des Medikamentes verringern.

In diesen Fällen sollte man das Risiko der höheren Blutgerinnung nicht unterschätzen und den Eingriff in einer Zahnklinik vornehmen lassen, erläuterte Dittmer. Wunden sollten mit selbstauflösendem Material abgedeckt werden, nicht etwa mit Gaze, die eine erneute Blutung bei der Entfernung auslösen werde.

Ein weiteres Risiko sei es, an Endokarditis zu erkranken, einer Entzündung der Herzklappe oder der Herzinnenhaut, wenn bei einem Eingriff Keime durch die Zahnfleischtasche ins Blut und damit an die Herzklappe gelangen. Um das zu vermeiden, sollte vorbeugend ein Antibiotikum eingenommen werden.

Genauso wichtig, so der Zahnarzt, sei die Mundhygiene. Wenn bei der Zahnreinigung das Zahnfleisch blute, soll man mit der Reinigung nicht etwa aufhören, denn das weise auf eine Entzündung in der Mundhöhle hin, die durch eine Verunreinigung verursacht werde. Lieber einmal pro Tag sehr gründlich die Zähne (Zahnseide!) und die Mundhöhle reinigen als mehrmals oberflächlich, so sein Rat.
 

Hinweis:
Weitere Berichte über das 4. Patiententreffen für Marcumar-Patienten in Bad Lauterberg folgten in der nächsten Ausgabe des Herz-Club-Magazins (1/2001). Dabei ging es insbesondere um die Frage, bei welchen Eingriffen genau das Medikament weitergenommen werden sollte und in welchen Fällen eine Endokarditis-Prophylaxe angebracht ist. Ein weiteres Thema: In welchen Urlaubsländern gibt es Marcumar oder Ersatzmedikamente zu kaufen?
 

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(c) Idee und Realistion dieser Präsentation: Karl Heinz Bleß, Bad Lauterberg, www.bless-online.de